Cocteau, die Mythologie und der Krieg

In ihrem Nachwort zur deutschsprachigen Neuausgabe von Jean Cocteaus „Thomas der Schwindler“ von 1923 geht Iris Radisch den autobiographischen und realen historischen Wurzeln der Erzählung nach und schreibt : „Cocteau wird Zeit seines Lebens darauf bestehen, dass die Erfindung des Selbst allemal jener amtlichen Figur vorzuziehen ist, deren Fotografie unser Ausweis zeigt…Ehrlichkeit war für Cocteau nur ein Zeichen von Einfallslosigkeit. Die grösste Sünde war in seinen Augen nicht die Lüge, sondern die Stillosigkeit.“ Bräuchte es eines besseren Beweises, dass auch wir nach eine Jahrhundert wieder in einer dekadenten „Belle Epoque“ angelangt sind, in der Cocteaus Aussage am Lebensende – ebenfalls von Iris Radisch zitiert – im politischen und gesellschaftlichen Diskurs in Mode gekommen ist: „Ich habe die Mythologie stets der Geschichte vorgezogen, weil Geschichte aus Wahrheiten gemacht ist, die mit der Zeit zu Lügen werden, während die Mythologie aus Lügen gemacht ist, die mit der Zeit zu Wahrheiten werden…“

Am 26.Januar 2020 werden wir Gelegenheit haben, uns um 11:00 im Lüschersaal in Riehen und/oder um 16:30 im Kunsthaus Baselland in die Welt des letzten Dandy-Künstlers der Belle Epoque, Clément Eugène Jean Maurice Cocteau (1889-1963) hineinzuhören. Lesen wird Vincent Glander vom Residenztheater München, vorher Theater Basel.

Autor:

I am a critical observer and commentator of the present, and of it as an echo and sometimes a reedition of the past. My comment are anchored in the study of the history of sciences, arts and politics, passing from antiquity to renaissance, the enlightenment, the early 19th and the early 20th century and concentrating on the disappearance and reappearance of ideas and methods of thinking and on interactions between science, arts and policy. On this basis, my comments can be ironic or sarcastic and often end in clear political statements.