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„The Danger of a Single Story“

Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, seit November 2019 Trägerin eine Dr.h.c. der Universität Fribourg ( http://www.unifr.ch/news/de/22272 ) hat ein vielbeachtetes, brillantes TED-Referat über „the danger of a single story“ gehalten, das sich neben seiner menschenfreundlichen Grundbotschaft auch gut als Vorbereitung für das mehrstimmige Chaos eignet, in das wir am kommenden Sonntag in der Reithalle Wenkenhof in Riehen mit dem Roman von YASMINA REZA „Glücklich die Glücklichen“ eintauchen werden: https://www.ted.com/…/chimamanda_ngozi_adichie_the_danger_o…Our lives, our cultures, are composed of many overlapping stories. Novelist Chimamanda Adichie tells the story of how she found her authentic cultural voice — and warns that if we hear only a single story about another person or country, we risk a critical misunderstanding.

Förderer der Wintergäste

Eine szenische Lesereihe mit 5 Produktionen an 5 Spielorten und einem Team von 11 bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern wäre ohne einen Kreis grosszügiger Förderer nicht durchführbar , vor allem, wenn nach dem Willen des Trägervereins ein niederschwelliger Zugang zu den Lesungen mittels vernünftiger Eintrittspreise sichergestellt werden soll.

Niederschwellig ist auch der Zugang zum Trägerverein Wintergäste. Mit CHF 20.00 pro Jahr sind Sie dabei, und die über 200 Mitglieder wirken durch ihre Beiträge und durch individuelle grosszüge Spenden direkt ebenfalls als Förderer der Produktion.

Wenn Sie die obenstehende Liste der Förderer der Wintergäste genauer ansehen, wird Ihnen unten rechts eine Lücke auffallen. Diese Lücke ist soeben durch eine weitere Organisation überbrückt worden, die traditionsreiche Basler E.E. Zunft zu Hausgenossen. Diese hat soeben einen namhaften Beitrag an die Produktion der Wintergäste 2020 zugesagt.

Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser der WINTERGÄSTE -Posts, die Gelegenheit wahrnehmen und bereits am Sonntag, 12.Januar 2020, um 11:00 die Premiere in der Reithalle des Wenkenhofs in Riehen besuchen.

Cocteau, die Mythologie und der Krieg

In ihrem Nachwort zur deutschsprachigen Neuausgabe von Jean Cocteaus „Thomas der Schwindler“ von 1923 geht Iris Radisch den autobiographischen und realen historischen Wurzeln der Erzählung nach und schreibt : „Cocteau wird Zeit seines Lebens darauf bestehen, dass die Erfindung des Selbst allemal jener amtlichen Figur vorzuziehen ist, deren Fotografie unser Ausweis zeigt…Ehrlichkeit war für Cocteau nur ein Zeichen von Einfallslosigkeit. Die grösste Sünde war in seinen Augen nicht die Lüge, sondern die Stillosigkeit.“ Bräuchte es eines besseren Beweises, dass auch wir nach eine Jahrhundert wieder in einer dekadenten „Belle Epoque“ angelangt sind, in der Cocteaus Aussage am Lebensende – ebenfalls von Iris Radisch zitiert – im politischen und gesellschaftlichen Diskurs in Mode gekommen ist: „Ich habe die Mythologie stets der Geschichte vorgezogen, weil Geschichte aus Wahrheiten gemacht ist, die mit der Zeit zu Lügen werden, während die Mythologie aus Lügen gemacht ist, die mit der Zeit zu Wahrheiten werden…“

Am 26.Januar 2020 werden wir Gelegenheit haben, uns um 11:00 im Lüschersaal in Riehen und/oder um 16:30 im Kunsthaus Baselland in die Welt des letzten Dandy-Künstlers der Belle Epoque, Clément Eugène Jean Maurice Cocteau (1889-1963) hineinzuhören. Lesen wird Vincent Glander vom Residenztheater München, vorher Theater Basel.

Was für ein Leben!

Irmgard Keun, die Autorin des Werks, mit dem die Wintergäste am 19.Januar 2020 morgens im Dreiländermuseum in Lörrach und am Nachmittag in Ackermannshof Basel Station machen werden, hat die Unbill des Lebens sehr intensiv erlebt und konnte sich nicht damit begnügen, zu entfliehen, sondern musste jahrelang im Untergrund leben, wie Heidi Krementz im Portal Rheinische Geschichte (abgerufen am 26.12.2019) berichtet:

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/irmgard-keun/DE-2086/lido/57c9342ed5ba25.78775690

Pourquoi les heureux sont-ils heureux?

Warum sind die Glücklichen glücklich? Diese Frage werden wir uns am 9.Januar 2020 in der Reithalle Wenkenhof in Riehen zu Yasmina Rezas kurzen Statements ihrer Protagonisten stellen. Diese sind zwar Klartext, aber der Titel (im französischen Original gleichlautend: *Heureux les Heureux“) bleibt ein Rätsel. Sind NUR die Gücklichen glücklich? Oder sind die Glücklichen ÜBERHAUPT glücklich? Die Etymologie hilft uns, die temporale Fragilität von „HEUR“ https://www.cnrtl.fr/etymologie/heur, von „BONHEUR“ (günstige Stunde)https://www.cnrtl.fr/etymologie/bonheur und des dazugehörigen Adjektivs „HEUREUX“ wiederzuent-decken: https://www.cnrtl.fr/etymologie/heureux. Mehr davon am Sonntag, 12.Januar 2020.

Edi Rama zum Nobelpreis für Peter Handke

Der albanische Premierminister Edi Rama nimmt in einem längeren Beitrag in der WELT vom 16.10.2019 Stellung zur Bedeutung des Nobelpreises für Peter Handke. Die Schriften Handke, welche sich spezifisch mit dem Konflikt zwischen Serben und ihren Nachbarn auf dem Balkan beziehen, interpretiert er als „Aufruf zum Hass“. Er kommt aber dennoch zu zu folgendem Schluss:

Es besteht kein Zweifel, dass Handke gelesen, studiert und diskutiert werden sollte. Aber seine Arbeit über jene anderer würdigerer Kandidaten für den Nobelpreis zu stellen, war ein leichtsinniger Fehler. Der Autor und Literaturkritiker Hari Kunzru formulierte es so: „Er ist ein guter Schriftsteller, der große Einsicht mit schockierender ethischer Blindheit verbindet.“

Szenische Lesung – Ein Format für unsere Zeit

Um das Besondere an der szenischen Lesung zu erklären, bietet sich ein Vergleich mit einem ebenfalls besonderen Format aus der Welt der Musik an: mit der konzertanten Aufführung einer Oper. Der Verzicht auf eine aufwändig gestaltete Bühne und Kostüme mag den Aficionados des klassischen Musiktheaters die ersehnte visuelle Verdeutlichung und Überformung von Komposition und Libretto vorenthalten, durch die Leistungen grossartiger Gesangskünstler und Instrumentalisten und deren physische Präsenz wird ihnen die Kernbotschaft des Werks ungeschmälert und hochkonzentriert übermittelt.

Ganz ähnlich die szenische Lesung: sie verlangt von den Interpreten der Texte hohe Sprechkultur, Artikulation und Dynamik, begleitet von zurückhaltender, feinste Mimik und Gestik, und setzt so das «Kopfkino» der Zuhörerschaft in Gang. 

Die Dramaturgin und Regisseurin Marion Schmidt-Kumke kann dank ihrer langjährigen Arbeit mit diesem Format den Texten durch ihre von grossem Respekt vor den Original geprägte Bearbeitung und dem Engagement der namhaften literaturaffinen Schauspielerinnen und Schauspieler eine zusätzliche Dichte und Wirkung verleihen